Freitag, 17. September 2010

Was mich nähren könnte

Vor einigen Tagen hatte ich eine interessante Begegnung. Ich erzählte meiner Rolferin von Lennard und meinem Leben mit ihm, während sie an knochennahen Strukturen in meinen Beinen arbeitete, die meine Yin-Energie wieder lösen sollten. Wir redeten über die Herausforderungen, Belastungen, wie es mir aktuell mit der Situation geht - und irgendwann fragte sie mich: Können Sie eigentlich auch Hilfe annehmen, wenn Sie sie gar nicht brauchen?

Ich wurde still.

Mein Muster ist: Wenn ich es selbst kann - mache ich es selbst. Wenn ich es nicht selbst kann - hole ich mir Hilfe.

Aber um Unterstützung zu bitten, wenn ich es eigentlich selbst könnte?

Ich überlegte, warum das für mich undenkbar ist:
  • Ich falle anderen zur Last mit meiner Bitte um Hilfe
  • Andere könnten mich für ein Weichei oder Diva halten, was glaube ich eigentlich wer ich bin, dass ich mir bei jedem Kinkerlitzchen helfen lasse
  • Ich könnte andere in die Situation bringen, dass sie eigentlich keine Lust haben, mir zu helfen, aber sich nicht trauen, nein zu sagen
  • Sie könnten nein sagen, oh je, und was dann
  • Die Freundschaft/Bekanntschaft könnte daran zerbrechen
  • Wie zum Teufel könnte ich mich je revanchieren??
  • Ich kenne gar nicht genügend Leute, die mir helfen könnten
  • Ich müsste die Hilfe erstmal organsieren, was für ein Stress
  • Ich hätte ständig Leute um mich herum
  • Nachher tut mir die Hilfe auch noch gut, dann könnte ich mir gar nicht mehr selber leid tun, und darüber nachdenken, wie schwer alles ist
  • Das Leben könnte auf einmal leichter werden
  • Ich würde auf einmal in herzliche Verbindung mit meiner Umwelt treten
Neulich rief mich ein guter Bekannter an, und wir trafen uns spontan auf einen Kaffee. Das Timing ergab zufällig, dass wir Lennard zusammen von der Krippe abholten. Ich dachte mir nichts besonderes dabei, aber auf einmal merkte ich, wie mich die Situation trug. Ich freute mich, Zeit mit meinem Bekannten zu verbringen. Lennard freute sich ebenfalls sehr, ihn wiederzusehen. Ganz beiläufig half mein Bekannter mir bei so Kleinigkeiten wie Lennard über die Straße tragen, für ihn war das nichts Besonderes, er schien auch einfach nur eine entspannte Zeit zu haben. 

Vielleicht habe ich an diesem Tag angefangen, etwas zu verstehen. Vielleicht kann manches ganz einfach sein.

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