Heute war das Abschluss-Elterngespräch in der Krippe, morgen ist Lennards letzter Krippentag.
Es wird mir wieder bewusst, wie sehr Lennards Krippenzeit ein absolutes Musterbeispiel von Integration war. Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass sowohl B und ich -seitdem Lennard ein gutes Jahr alt war- Vollzeit und mehr berufstätig sein konnten. Und nicht nur das; es war ja tatsächlich auch so, dass Lennard dort ein Höchstmaß an Liebe und Förderung bekommen hat.
Als wir Lennard in der Krippe vorstellten, hatten wir gerade die Diagnose bekommen. Die Krippe war eine reguläre Einrichtung (Betriebskrippe an Bs Arbeitsstelle) und hatte bis dato nie zuvor ein behindertes Kind aufgenommen. Bei diesem ersten Gespräch waren sowohl die Krippenleitung als auch die Erzieherinnen skeptisch, ob sie Lennard gerecht werden könnten und ihn das ganze nicht etwas überfordern könnte. Dann geschah wirklich ein kleines Wunder: B's Arbeitgeber einigte sich mit dem Träger der Krippe (Paritätischer Wohlfahrtsverband) auf eine Reduzierung der Gruppengröße in Lennards Gruppe. Damit konnten die Voraussetzungen geschaffen werden, um auf Lennards besondere Bedürfnisse eingehen zu können.
Was seine Erzieherinnen dort für ihn taten, ist absolut unschätzbar. Keine hatte Erfahrung im Umgang mit behinderten Kindern, alle mussten sich erstmal herantasten. Sie setzten ihr ganzes Feingespür und ihre ganze Kreativität ein, um Lennard möglichst gut am normalen Krippenalltag teilhaben zu lassen. Unterstützt wurde das ganze von den Therapeutinnen und Therapeuten (zunächst nur Physiotherapie, später zusätzlich Ergo- und Logopädie), die in die Krippe kamen und genauso feinfühlig und kreativ alltägliche Krippensituationen aufgriffen und in ihre Einheiten einbauten.
Beeindruckt hat mich ebenfalls, wie selbstverständlich die anderen Kinder mit Lennards Behinderung umgingen. Es war für sie ganz normal, dass Lennard bestimmte Dinge nicht konnte bzw anders machen musste. Ob sie warteten, weil er mit seinem Rollator nicht ganz so schnell Richtung Turnraum kam; oder ihm zeigten, was er stattdessen machen könnte, wenn sie über Hindernisse sprangen (nämlich unten durch krabbeln). Ich habe ein ganz neues Bild von der Sozialkompetenz Kleinkinder bekommen, und auch dafür bin ich sehr dankbar, denn es hat mir eine Welt eröffnet.
Und - es hat einfach gut getan, Normalität zu wahren. Lennards Integration in dieser Einrichtung hat einen sehr großen Beitrag dazu geleistet, dass ich seine Behinderung noch ein Stück mehr akzeptieren lernen konnte. Das ist ein großes Kompliment an die gesamte Organisation, seine Erzieherinnen, die Krippenleitung und alle Kinder und Eltern, denen ich dort begegnet bin.
Jetzt hat diese sehr behütete Zeit ein Ende. Das ist ein Stück weit natürlich traurig, aber bei mir überwiegt die Dankbarkeit und Vorfreude auf den nächsten Schritt. Wir haben uns entschlossen, diesen Weg weiterzugehen und Lennard auch im Kindergarten mit gesunden Kindern aufwachsen zu lassen. Ich glaube, dass Lennard alles bekommen hat, um diesen Schritt, in dem er jetzt mehr auf sich gestellt sein wird, zu meistern.
Schade fand ich, dass dieser Weg von Lennards medizinischen Betreuern kritisch gesehen wird. Man empfahl uns, Lennard in eine Behinderten-Einrichtung zu geben, damit er mehr Therapie bekommen und gezielter gefördert werden kann. Sachlich ist das sicherlich richtig, aber schade finde ich es, dass dabei gar nicht gesehen wird, was wir als Eltern wollen und vertreten können.
Schön finde ich auf der anderen Seite, dass Lennards Therapeut(inn)en ihn auch im Kindergarten weiter betreuen werden.
Ich wünsche meinem Großen alles Gute für diesen nächsten Schritt in seinem Leben.
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